Jura Soyfer: „Der Weltuntergang“

Inhalt:

Die Erde ist aus dem Takt geraten. Sie hat die ihr vorgegebenen Bahnen verlassen, weil sie Menschen bekommen hat. Daher beschließen die Planeten einen Kometen los zu schicken, um die Erde von dieser Plage zu befreien. Ausgehend von dieser bewusst an Nestroys „Lumpazivagabundus“ angelehnten Rahmenhandlung beleuchtet Jura Soyfer in seinem „Weltuntergang“ auf satirisch-kabarettistische Weise die Geschehnisse im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs. Kritisch, aber gleichzeitig höchst humorvoll setzt er sich mit den Handlungsweisen der Staaten und ihrer Vertreter, vor allem aber mit den Reaktionen der Menschen auf die bevorstehende Katastrophe auseinander. Er beschreibt die Scheinaktivitäten der Mächtigen, zitiert die leeren Worthülsen, mit denen Tatsachen heruntergespielt und die Bevölkerung beschwichtigt werden, zeigt die Geschäftemacherei mit der Bedrohung. Er führt aber auch die Verhaltensweisen der Betroffenen vor, die sich in Autoritätsgläubigkeit oder Ignoranz flüchten und sich vor der Wahrheit verschließen. Nur wenige sind bereit sich für die Abwendung der Katastrophe einzusetzen. Besonders bemerkenswert an diesem kabarettartig angelegten Stück sind aber auch die ausdrucksstark von Jimmy Berg vertonten Songs und der überraschende Schluss: eine Liebeserklärung an die Erde und die Menschen. Trotz des unermesslichen Leids und der ungeheuren Grausamkeiten, denen viele Menschen ausgesetzt waren und sind, glaubt Jura Soyfer an die Überwindung des Hasses und sagt der Welt eine friedvolle Zukunft voraus.

 

Prolog im Kosmos
Sonne – Saturn – Mars – Venus – Mond – Komet Konrad
Die Erde hat die ihr vorgeschriebenen Bahnen verlassen, weil sie Menschen bekommen hat. Die Planeten beschließen die Erde von den Menschen zu befreien.

PROFESSOR GUCK MACHT EINE ENTDECKUNG
Professor Guck
Guck entdeckt einen Kometen und kommt zur Erkenntnis, dass dieser auf der Erde einschlagen und sie zerstören wird.

TELEGRAPHEN-CHANSON - JOURNALISTEN-CHANSON
Die Nachricht vom bevorstehenden Weltuntergang verbreitet sich rasend schnell über die ganze Welt.

VOX POPULI
Zwei Modedamen - Zwei Mausi - Zweimal Mayer (Erster Wiener – Zweiter Wiener) - Alte Jungfer mit Papagei - Zwei Diplomaten
Die Bevölkerung reagiert mit Ignoranz, Dummheit, Verständnislosigkeit, Autoritätsgläubigkeit und Unentschlossenheit auf die bevorstehende Katastrophe.

PROFESSOR GUCK MACHT EINE ERFINDUNG
Englischer Beamter – Französischer Beamter – Deutsche Beamtin – Österreichischer Beamter
Professor Guck hat eine Maschine erfunden, mit der die Welt gerettet werden kann. Vergeblich sucht er nach Unterstützung, um die Maschine bauen zu können.

BEGEGNUNGEN
Weltuntergangsprediger – Straßensänger – Dieb – Selbstmörder – Wachmann
Obwohl der Weltuntergang kurz bevor steht, bereitet sich kaum jemand auf seinen persönlichen Untergang vor. Die einen nutzen ihn für Ihren persönlichen Profit, die anderen ignorieren ihn. Professor Guck erfährt, dass sich eine Gruppe reicher Amerikaner ein Raumschiff bauen ließ, um sich zu retten. Guck sieht darin eine Chance, dass zumindest die Werte der Menschheit den Untergang überleben können.

VOR DEM START
Mr. W. W. Rockford – Miss Violet – Journalist der New York Tribune – Gwinnie Winston – Mr. Wood – Professor Guck
Die reichen Amerikaner warten auf den Start der Rakete. Das Radio meldet Revolten der Bevölkerung aus allen Ländern. Vergeblich möchte Professor Guck den Wartenden Bücher und Gegenstände mitgeben, die für den Wiederaufbau der menschlichen Kultur und Zivilisation notwendig sind. Die Gruppe ist jedoch nur an der Rettung ihres Lebens und Besitzes interessiert.

PROFESSOR GUCK ZIEHT BILANZ
Professor Guck
Guck muss erkennen, dass seine ehrliche Suche nach der Wahrheit sinnlos war. Die Menschheit ist nicht an der Wahrheit interessiert, sondern nur an Erkenntnissen, die die Wirtschaft florieren lassen und jedem einzelnen Profit bringen.

EPILOG IM KOSMOS
Sonne – Saturn – Mars – Venus – Komet Konrad
Der Komet hat die Erde verschont, weil er sich beim Näherkommen in sie verliebt hat. Konrad ist überzeugt, dass der gegenwärtige Hass zwischen den Menschen und das unermessliche Leid sowie die die ungeheuren Grausamkeiten überwunden werden und der Erde eine friedvolle Zukunft bevorsteht.

 

Der Autor:

Jura Soyfer wurde am 8.12.1912 als Sohn eines Industriellen in Charkow

geboren. 1920 flieht die Familie nach Wien. In den Jahren 1929-1933 arbeitet er beim Politischen Kabarett der Sozialdemokratischen Partei mit. In der Arbeiter-Zeitung erscheinen seine ersten Publikationen. Nach der Matura beginnt er ein Deutsch- und Geschichtestudium an der Universität Wien. Er schreibt weiterhin Texte für das Politische Kabarett, im Kuckuck erscheinen die Satiren „Blutige Jahre werden vergehen...“.  Im Februar 1934 beginnt seine Mitarbeit bei der verbotenen KP. Außerdem arbeitet er an seinem Roman „So starb eine Partei“. 1935 entstehen die ersten Texte für Kleintheater. 1936 werden seine Stücke "Weltuntergang" und "Der Lechner Edi schaut ins Paradies" im ABC und in der Literatur am Naschmarkt aufgeführt. 1937 entstehen die Bühnenwerke "Astoria", "Vineta" und "Broadway-Melodie 1492". Im gleichen Jahr wird er wegen kommunistischer Betätigung verhaftet. Am  17.2.1938 wird entlassen, für 25 Tage. Am 13.3.1938 wird er erneut verhaftet an der Schweizer Grenze. Er kommt zunächst ins Polizeigefängnis Innsbruck. Am 23.6.1938 erfolgt die Einlieferung nach Dachau, wo er im Sommer das „Dachau-Lied“ schreibt. Im September wird er nach Buchenwald überstellt. Dort muss er die Arbeit eines Leichenträgers verrichten. Am 9.2.1938 wird Jura Soyfers Entlassung aus dem KZ bewilligt. Seine Eltern warten auf ihn in New York. Am 15./16.2.1939 stirbt Jura Soyfer in Buchenwald an Typhus.

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